Färben mit Pilzen

                                                                
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Der vorliegende Leitfaden zum Färben mit Pilzen, hier in zweiter, wesentlich erweiterter und verbesserter Auflage, führt  Sie in die speziellen Anforderungen für das Färben von Wolle und Seide ein, zeigt Ihnen die Verwendung der in der Natur vorkommenden Pilze für die verschiedenen Farben und liefert exakte Rezepte zum Färben.Sie erfahren, wie Sie die Filzfähigkeit von Wolle bei der Naturfärberei erhalten und vor allem spüren Sie, dass hier jemand schreibt, der mit der Natur verbunden ist.

 
Wolle gefärbt mit diversen Pilzarten, Foto rechts Blutblättrige Hautköpfe und Bluthautköpfe (Cortinarius sanguineus und semisanguineus)

umfangreiches Färben mit Pilzen    6. - 8. Oktober 2017 (ausgebucht)

Neuer Termin: 15. - 17. September 2017

auch als Zusatzmodul für PilzCoaches

Wir beginnen am Freitag d. 6. Oktober 17  um 10:00 Uhr mit einer Exkursion zum Sammeln der Färbepilze. Wir weichen die Pilze in Regenwasser ein und nachmittags  gebe ich  einen kleinen Grundkurs über Ökologie und Wichtigkeit der Pilze in der Natur im allgemeinen und welche Färbepilze es gibt.
Beize ansetzen, Wolle und Seide einlegen.
Falls wir Speisepilze gefunden haben, machen wir uns abends eine leckere Pilzpfanne.

Samstag  kochen wir die gesammelten und eingeweichten Pilze aus und beginnen mit dem Färben.
Theorie über das Beizen von Wolle,

Sonntag wird noch weiter gefärbt bis wir ca. nachmittags fertig sind.

Kursgebühr 160 €, Material extra.

Bitte möglichst gewaschene fettfreie Wolle in kleinen Strängen von 10 und 20g, eventuell auch 50g selbst mitbringen und vielleicht auch etwas Seide, das kann bei uns aber auch gekauft werden. Auch kleine Leinen und Baumwollstücke können mitgebracht werden. Ansonsten bitte mitbringen wie unten beschrieben.
Wer schon einige Färbepilze kennt, kann im Laufe des Sommers geeignete sammeln und getrocknet mitbringen, damit wir ausreichend Material im Kurs zum Färben haben.

Anmeldeformular  (bitte ausfülllen, ausdrucken und per Post an Textiles Werken schicken)

Diese Pilze sind zum Färben geeignet:
alle Hautköpfe, möglichst getrennt sammeln (Cortinarius Dermocybe-Arten)
Erlenporling, Schillerporling und alle anderen Inonotus-Arten
Grau- und Grünblättrige Schwefelköpfe, soweit sie noch nicht alt sind und sehr dunkle Sporen haben.
Kahler Krempling (Paxillus involutus)
Samtfußkrempling (Tapinella atromentosa)
Stinkende Lederkoralle (Telephora Palmata)
Zimtfarbener Weichporling (Hapalopilus rutilans)
Alle Korkstachelinge (Hydnellum und Phellodon-Arten)
Kiefernhabichtspilz (Sarcodon squamosus)
Kiefernbraunporling (Phaeolus schweinitzii)
Steife Koralle (Ramaria strikta)

Bitte mitbringen: Schildchen zum Beschriften der Wollproben, Gummihandschuhe,  etwa 10 bis 15 mal 20g weiße Wolle im Strang oder Kammzug, gebleicht oder ungebleicht (reine Wolle und/oder Seide, kein Synthetikanteil) ebenso noch kleinere Proben: ca 20 mal 10g. Auch Seide gesponnen oder ungesponnen oder Seidentüchlein. Es können auch größere Einheiten mitgebracht werden. Wir müssen die  Menge der in jeder Farbbrühe gefärbten Wolle auf alle Teilnehmer verteilen, so dass nicht gewiß ist, ob dann jeder einen 50g Strang einlegen kann. Bitte auch Knöpfe oder anderes zum Markieren Ihrer Wollproben mitbringen. (In Südtirol, in der Winterschule Ulten gab es 18 Teilnehmer und Teilnehmerinnen, deswegen konnten wir oft nur 5-10g p.Pers. einlegen)  Hier geht es ja ums Lernen, größere Mengen können dann zu Hause gefärbt werden. Hier bei uns sind es meistens nur 6-10 Teilnehmer und Teilnehmerinnen. 2009 in Schweden haben wir 10 verschiedene Pilzarten gefunden und konnten jeweils 2 oder 3 Züge färben.
Bitte auch an unenmpfindliche, auch warme Kleidung denken und gute geschlossene Waldschuhe, Regenjacke. Pilzsammelkorb mit mehreren undurchlässigen Plastikschachteln, Messer. Pilzbestimmungsbuch

 




Grundsätzliches über das Färben mit Pilzen
, als Auszug  aus meinem Leitfaden:

Das Färben mit Pilzen eignet sich nicht für den industriellen Bereich mangels Farbstoffbeschaffung. Es ist also nur für den Hobbybereich  und den kunsthandwerklichen Kleinbetrieb geeignet.
Es bereichert die Naturfärberei aber ganz entscheidend, denn es lassen sich Farbtöne auf Wolle und Seide anfärben, die man unter Umständen mit Pflanzen nicht erzielen kann.
Für die oben angeführten Bereiche ist es allerdings nicht sinnvoll, Farbtöne mit Pilzen zu färben, die nur mit
Hilfe von Schwermetallen, als krebserregend eingestuften Stoffen oder ganz allgemein mit als umweltschädigend geltenden Substanzen, erzielt werden können. (z.B. Kupfersulfat, Zinn-II-chlorid, Kaliumdichromat, siehe Datenblätter bei z.B.  www.seilnacht.tuttlingen.com/chemie/ch_index.htm ). Will man diese Gefährdungen dennoch eingehen, sollte man sich doch vorher auch einmal darüber informieren, ob man den gewünschten Farbton nicht ohne diese Mittel vielleicht ganz leicht mit Hilfe von Pflanzenfärbungen oder Cochenille erreichen könnte. Dass man in früheren Jahren mit belastenden Stoffen recht großzügig umgegangen ist, sollte einen nicht dazu verleiten, es heute, wo man es  besser weiß, immer noch so zu machen.

Man muss durchaus nicht alles machen, was machbar ist!!
Letztendlich würde die Naturfärberei ad absurdum geführt, wenn man mit Chemiefarben in der eigenen Haushaltsküche umweltfreundlicher färben könnte!

Darüber hinaus sollte es  für alle Pilzsammler  eine Selbstverständlichkeit sein, sich so natur- und umweltfreundlich zu verhalten, dass sie nicht auch noch auf den Sondermülldeponien zusätzliche Stoffe aufhäufen oder gar die Kupfer- oder Zinnbrühe in den Küchenausguss schütten! Wollen wir nicht alle unsere Wälder noch lange erhalten? Jeder einzelne kann das Seine dazu beitragen!

Karin Tegeler



Kaltbeize zum Selbermachen

(Herstellung einer 2%igen Aluminiumtriformiat-Lösung)

Aluminiumtriformiat- Beize
Tonerde-Kaltbeize
Triformiatbeize
Kaltbeize-AL

Die Beize eignet sich zum Vorbeizen tierischer und pflanzlicher Fasern für Färbungen mit Naturfarben. Sie kann leicht aus handelsüblichen Substanzen hergestellt werden.

1. Soda, wasserfreie Soda, Waschsoda, Natriumcarbonat (Na2CO3)
2. Ameisensäure 85%, Lebensmittelzusatz E 236 (CHCOOH)
3. Alaun,  KAl(SO4)2 x 12H2O  oder                                                                                                                                                                  Aluminiumsulfat, Al2(SO4)3 x 15 H2O

Bezugsquellen: Drogeriemärkte, Internet, Imkerbedarf (Ameisensäure)

Warum Aluminiumsulfat?
in kaltem Wasser leicht löslich
Alaun dagegen nur in heissem Wasser
enthält 50% mehr Tonerde als Alaun
ist billiger als Alaun
ohne beizunwirksame Nebensubstanz
leicht zu beschaffen

Beim Ansetzen einer Beize ist wichtig zu beachten, dass es zu starker Gasentwicklung (Kohlensäure) kommt. Daher niemals die gesamte Wassermenge vorlegen, sondern die einzelnen Substanzen in kleinen Wassermengen lösen und erst am Schluss auf die endgültige Menge auffüllen

Herstellung und Gebrauch

Zur Herstellung werden zwei Gefässe gebraucht.
Das erste zum Lösen der Soda, das zweite zum Lösen des Aluminiumsalzes. Zunächst wird die Ameisensäure langsam in kleinen Portionen unter Rühren zur Sodalösung gegeben. Wenn die Gasentwicklung aufgehört hat, wird der nun klaren Lösung die Aluminiumsalzlösung aus dem zweiten Gefäss zugegeben. Zum Schluss wird mit Wasser die vorgesehene Gesamtmeng aufgefüllt.

Die Beize ist sofort zu gebrauchen. Sie ist solange wiederverwendbar bis die Flüssigkeitsmenge zu knapp ist. Deshalb sollte die Flüssigkeit, die beim Ausdrücken des gebeizten Materials anfällt, wieder zurück in das beizbad gegeben werden. Das zu beizende materialkann unbegrenzt lange im Beizbad verbleiben, sodass man jederzeit einen Vorrat an gebeiztem Material hat. Die Verweildauer in der Beize ist temperaturabhängig: bei Zimmertemperatur beträgt sie 5-8 Std., bei 50 Grad C. 1-2 Std.
Nach dem Beizen mehrmals in kaltem Wasser spülen.

Aus der folgenden Tabelle sind die Substanz-Mengen zu entnehmen, die für eine Kaltbeize gemischt werden müssen                                                           

Tabelle 1 (Wenn Sie Alaun verwenden)
Beizlösung 1 Liter: 59g Alaun; 20g Soda, 20 ml Ameisensäure,  ergeben 20g Aluminiumtriformiat  pro Liter
Beizlösung 5 Liter: 295 g Alaun, 100g Soda, 100 ml Ameisensäure, ergeben 20g Aluminiumtriformiat pro Liter
Beizlösung 10 Liter: 590g Alaun, 200g Soda, 170 ml Ameisensäure, ergeben 20g Aluminiumtriformiat pro Liter

Tabelle 2 (Wenn Sie Aluminiumsulfat verwenden)
Beizlösung 1 Liter: 38g Aluminiumsulfat, 29g Soda, 24ml Ameisensäure, ergeben 20g Aluminiumtriformiat pro Liter
Beizlösung 5 Liter: 188g Aluminiumsulfat, 98g Soda, 117 ml Ameisensäure, ergeben  20g Aluminiumtriformiat pro Liter
Beizlösung 10 Liter, 377g Aluminiumsulfat, 196g Soda, 234 ml Ameisensüre, ergeben 20g Aluminiumtriformiat pro Liter

Hamburg, den 29. März 2015, Johannes Harborth


Kleiner Tipp für pflanzliche Fasern:
Beispielsweise Leinen und Baumwolle nehmen nach dem Beizen die Farben besser an, wenn Sie diese Fasern, Garne oder Stoffe, egal ob neu oder alt, vor dem Beizen eine Stunde in Sodalösung (pH-Wert 10) sprudelnd  auskochen, dann sehr gut ausspülen und trocknen lassen, dann beizen.